Anwendung des Bundestierschutzgesetzes in der PferdeWelt

Es folgt ein Text, eine aktuelle Eingabe von Julie von Bismarck – Equine Expertise

Gekürzte Vita: Julie von Bismarck hat eine umfassende Sicht auf den Pferdesport. Als Reiterin und eine der Pionierinnen in der osteopathischen Behandlung von Pferden in Deutschland, hat sie die Auswirkungen der Veränderungen im Reitsport auf die Pferdegesundheit direkt miterlebt. Viele Fehler werden mangels besseren Wissens begangen, weshalb Aufklärung ihr ein großes Anliegen ist.

Ich möchte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft aufrufen, diese im deutschen Tierschutzgesetz verankerten Vorgaben durchzusetzen!

Und das Wort „erheblich“ ersatzlos zu streichen, denn diese Formulierung beinhaltet die Aussage, dass es gesetzeskonform ist, dem Pferd Schmerzen, Leiden und Schäden zu zufügen, solange es nicht in „erheblichem“ Maße passiert. Dies wiederum lässt Spielraum für persönliche Auslegung. Siehe: §3 Absatz 1b Bundestierschutzgesetz: „Es ist verboten, an einem Tier im Training oder bei sportlichen Wettkämpfen oder ähnlichen Veranstaltungen Maßnahmen, die mit erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden verbunden sind (…) anzuwenden.“


Anmerkung unsererseits:

Pferde erhebliche Schmerzen erlaubt
Foto Quelle Equine Expertise

Was bedeutet, daß  dieser Paragraph des Tierschutzgesetzes UNBESTIMMT ist und damit wegen seiner Unbestimmtheit NICHTIG wäre! Siehe dazu aus einer von vielen Urteilsbegründungen der höchsten Instanz dem BverfG: […] „Aus Art. 103 Abs. 2 GG folgt einerseits, dass eine Tat nur bestraft werden kann, wenn ihre Strafbarkeit gesetzlich bestimmt war, bevor die Tat begangen worden ist. Der Bürger muss wissen, was er nicht darf.“ Wikipedia weiß auch, dass man sich darüber einig ist, dass unbestimmte Rechtsbegriffe eigentlich zu vermeiden sind. Sie räumen dem Exekutivorganen „gegebenenfalls“ [vielmehr faktisch] Kompetenzen und Machtfülle zu, die sie gar nicht haben sollten und die den Verwaltungsapparat aufblähen.

Pferde Purer Stress und Schmerz
Foto Quelle Equine Expertise


Weiter mit Equine Expertise: Daher noch einmal für alle, das ist KEINE Auslegungssache!

Es ist Alltag auf Turnier- und Abreiteplätzen wie auch beim täglichen Training in den Reitställen, dass Zwangsmaßnahmen und Ausrüstungsgegenstände angewendet werden, die dem Pferd in erheblichem Maße Schaden, Schmerzen und Leiden zufügen.

Ein solches „Gebiss“ wie auf dem Bild (oben links), sprich ein gedrehter stabiler Draht, der in Zunge, Zahnfleisch und Maulwinkel des Pferdes einschneidet, ist ein klarer Verstoß gegen das deutsche Tierschutzgesetz, wie etliche andere Zäumungen auch. Dennoch sind solche scharfen Gebisse und Zäumungen überall erhältlich und immer noch auf Turnieren erlaubt.

Die Anwendung von Zwangsmaßnahmen wie Reiten in „Rollkur/LDR“, ist ebenfalls Alltag in Reitställen und auf deutschen Abreiteplätzen und wird ebenso wenig geahndet, es ist nicht einmal verboten. Es gibt etliche Tierärzte und Verbände, die behaupten, Rollkur/LDR, sowie die Verwendung scharfer Gebisse und Zäumungen würde dem Pferd keinen Schaden zu fügen. Da kann ich nur sagen: Das entspricht nicht meinen Erfahrungen.

CHIO Aachen 2008 Grand Prix Spezial
CHIO Aachen 2008 beim Grand Prix Spezial abreiten

CHIO Abreitplatz Weltelite der Reiterei
CHIO Aachen Abreitplatz Weltelite der Reiterei

Nach über zwanzig Jahren Behandlung von internationalen Sportpferden kann ich eines mit Sicherheit sagen: Alle Pferde, die in dieser Weise „gearbeitet“ wurden, litten unter Magengeschwüren, erheblichem mentalen Stress, etliche hatten innerlich abgeschaltet und funktionierten nur noch. Bei den Pferden, welche mit scharfen Zäumungen geritten wurden, lagen erhebliche Verletzungen der Zunge, der Maulwinkel und des Zahnfleisches vor, teilweise mit dicken Vernarbungen in diesen Bereichen. Wie stark die Schmerzen gewesen sein müssen, die zu dieser Narbenbildung geführt haben, möchte ich mir gar nicht vorstellen. Die Kiefergelenke waren blockiert, was die für das Pferd zum Fressen notwendige Mahlbewegung des Kiefers einschränkt, ebenso das Zungenbein, was die Atmung und den Schluckakt des Pferdes behindern kann. Äusserst schmerzhafte Entzündungen im Bereich der Kiefergelenke und des Genicks waren absolut keine Seltenheit.

Bei den Pferden, welche in Rollkur/LDR geritten wurden, kamen zu den bereits erwähnten Magengeschwüren und psychischen Schäden noch hinzu: erhebliche Blockierungen des Genicks und Entzündungen des Nackenbandansatzes, häufig Serienblockaden des 2.- 5. Halswirbels, immer Blockaden des Zungenbeines, der Schulter, des Widerristes und oft auch in der Brustwirbelsäule und den Kreuzdarmbeingelenken. Daraus resultierend litten diese Pferde oftmals an Atemwegserkrankungen, Kolikneigung, Verschleiss und Sehnenschäden sowie *Myalgie. (*Muskelschmerzen)

Sollte irgendeiner von den Menschen, die für die Durchsetzung des Tierschutzgesetzes zuständig sind, schon einmal eine Blockade gehabt haben, meinetwegen nur im Kreuzdarmbeingelenk, dann weiss er oder sie, was für ein brutaler Nervenschmerz das ist. Sollte einer von ihnen nur eine Magenschleimhautreizung gehabt haben, nicht einmal Geschwüre, so weiss er oder sie, was für Schmerzen das auslöst und was für ein extrem hohes Krankheitsgefühl und Schwäche damit einhergehen. Und nun müssen diese Pferde in dem Zustand auch noch Leistungssport betreiben. Was es bedeutet, jeden Tag unter Angst und Stress und Schmerzen zu sein, kann sich wohl niemand vorstellen. Aber es wir Zeit, dass endlich alle begreifen, dass die Anwendung von Zwang und Gewalt im Reitsport aufhören muss. An alle, die es bisher nicht so genau genommen haben: ES IST EIN VERSTOSS GEGEN DAS BUNDESTIERSCHUTZGESETZ. Und dies wird hoffentlich endlich bald durchgesetzt.

Zitat Ende Equine Expertise


Tier“schutz“gesetz UNBESTIMMT?

In Bezug auf das zum größten Teil UNBESTIMMTE Tierschutzgesetz des Bundes, hier nun zur Verdeutlichung auch noch der § 1 dieses Gesetzes, der angesichts der nur auf unserer Startseite angeführten und belegten Fakten, eigentlich sofort greifen müßte! … wäre da nicht das klitzekleine Wörtchen „vernünftig“ enthalten!

Das Tier“schutz“gesetz greift offenkundig nämlich nicht, da eben auch hier, wie schon zuvor ausgeführt, wieder die („vorgeschobene“) UNBESTIMMTHEIT machtvoll der Konsequenz eines strickten VERBOTS entgegenwirkt. Diese Vorgehensweisen und natürlich auch, wie von uns oft genug dargelegt, die grundsätzliche Nutzung von Gebissen im Pferdemaul, die dahingehend und ursächlich eine solche Zwangsbehandlung in der Hauptsache erst möglich machen.

§ 1 Tierschutzgesetz

Definition zu „vernünftigem Grund aus einem Juraforum“: Ein vernünftiger Grund liegt dann vor, wenn eine Rechtsnorm es ausdrücklich zuläßt, eine Notwehr – oder Notstandssituation gegeben ist oder wenn es sich nach entsprechender Güterabwägung ergibt, dass die anscheinend berechtigten Interessen an der Ausübung von – wie hier z.B. Schmerz, Leid oder entsprechenden Schäden an dem Tier – schwerer wiegen als die Interessen des Tierschutzes an dem Erhalt und Schutz, an dem Leben und dem Wohlbefinden des Tieres.

Das bedeutet also, daß der zulässige Rechtfertigungsgrund offenbar und zumeist eben nach dem Güterabwägungsprinzip festgestellt wird.

Es handelt sich hierbei um einen der wichtigsten Grundsätze, der die gesamte sogenannte Rechtsordnung der Bundesrepublik durchzieht. Es geht immer und einzig nur um Gewinnerzielung und dies auf allen Ebenen und leider zumeist ohne Rücksicht auf Verluste!

Aber bleiben wir beim Tier und dem sogenannten Tier“schutz“gesetz, welches offenkundig nicht schützt!

Derjenigen, der eine ein Tier beeinträchtigende Handlung vornimmt, wird als „vernünftiger Grund“ nämlich dann eine Rechtfertigung seines Handelns zuerkannt bekommen, wenn eben dieses Handeln aus Gründen des Schutzes eines „höherwertigen Rechtsgutes“ gegenüber dem geringerwertigen Rechtsgut geboten ist.

Ganz offenkundig ist, daß auch hier die Interessen von Gewinnmaximierung (u.a. Sprenger und andere Gebisshersteller … bedenke der Turniersport ist eine Geldmaschine etc.pp.) eindeutig schwerer wiegen als das Wohl der Tiere/Pferde, denn das Tier“schutz“gesetz greift ja offenbar so gar nicht, siehe dazu u.a. auch Küken schreddern, Massentierhaltung und Zustände in Schlachthäusern! Dies wird offenkundig, wenn nämlich, wie so oft geschehen, Aktivisten, die diese Schande im allgemeinen Umgang mit anderen Lebewesen öffentlich machen und aufdecken, hierzulande oft genug härter bestraft werden als im Gegensatz dazu, Jene die aktiv an diesen Mißständen mitarbeiten und diese damit verursachen und fördern!

Soviel zu den Gummiparagraphen und deren sogenannter Bestimmtheit in dieser bunten Republik, die eher selten bis gar nichts schützen, außer die Interessen der Großkonzerne und damit also rein kommerziellen Interessen! PUNKT

So sieht es also aus, weshalb Begriffe wie „erheblich“ und „vernünftig“, ganz sicher nicht zufällig als Formulierung gewählt wurden, da diese eine wunderbar weite Auslegung zulassen, weil sie eben gerade NICHT bestimmt sind!

Selbst höchst anerkannte Wissenschaftler und Philosophen begriffen beispielsweise, daß die Vernunft nur das einsehen kann, was sie selbst nach ihrem Entwurf hervorbringt …

„Die menschliche Vernunft hat das besondere Schicksal in einer Gattung ihrer Erkenntnisse: dass sie durch Fragen belästigt wird, die sie nicht abweisen kann, denn sie sind ihr durch die Natur der Vernunft selbst aufgegeben, die sie aber nicht beantworten kann; denn sie übersteigen alles Vermögen der menschlichen Vernunft.“

Zitat: Immanuel Kant

So lange werden also unsere Tiere/Pferde weiter – nicht nur mit dem „normalen“ Gebissen im zarten Maul – geschunden, gerollt, geknechtet und auf Raten gemordet, denn diese und andere Vorgehensweisen verkürzen deutlich die Lebenserwartung unserer Pferde!


Noch ein Zitat-Auszug von Julie von Bismarck – Equine Expertise zum Thema Stress:

„Bei den negativen Folgen von Stress für das Pferd denken die meisten Reiter an Magengeschwüre. Erkrankungen des Magens, welche im übrigen mit extremen Schmerzen einhergehen, zu Mangelernährung, Koliken und Kotwasser und bis zum Tod des Pferdes führen können, also schon schlimm genug sind, sind aber nicht die einzigen Folgen.

Stress führt auch zu einer dauerhaft erhöhten Anspannung der Muskulatur des Pferdes und einer Unterdrückung des Immunsystems. Ein gestresstes Pferd wird keine Losgelassenheit erreichen, keine Muskulatur aufbauen und Schonhaltungen einnehmen, um dem Schmerz durch die verspannten Muskeln auszuweichen. In der Folge entstehen Blockaden, Entzündungen und Verschleiss – und: Das Stresslevel steigt weiter. Denn Schmerz ist -wie erwähnt- ebenfalls ein auslösender Faktor, das gilt selbstverständlich für jegliche Art von Schmerzen. Ab einem bestimmten Stressniveau wird dann schliesslich das Immunsystem herunter gefahren. Für das Pferd bedeutet dies: Es erleidet einen massiven Einbruch seiner Leistungsfähigkeit, ist müde und abgeschlagen und bekommt buchstäblich jeden Pilz, jeden Husten, jeden Einschuss – kurz: Jede Infektion, die irgendwo lauern könnte und wird unter Umstanden durch banale Auslöser schwer krank.“


Die Moral von der „Geschichte“

Andere Spezies werden sogar täglich grausamst gemordet! Heißt, männliche Küken werden weiter geschreddert und auch bei der Haltungsform und dem Vorgehen in den Schlachthäusern wird sich so weiterhin nichts ändern und das einzig nur zum Wohle der Gewinnmaximierung … es sei denn genügend Menschen werden sich dessen endlich bewußt und fordern konsequent, mindestens jedoch eine BESTIMMTHEIT dieses systemisch gewollt schwammigen Paragraphendschungels … oder besser noch, sie schmeißen all diesen fiktiven pseudo Gesetzesschwachsinn endlich über Bord, besinnen sich und kehren zurück zur *Sittlichkeit!

Köblers juristisches Wörterbuch Sittlichkeit

Bedeutet also folgerichtig aus dem jur. Wörterbuch, welches als Grundlage eines jeden Jurastudiums gehandelt wird, daß das Recht, also die allgemein herrschenden Gesetze und Verordnungen, eben gerade NICHT für das Gewissen und das Gute stehen oder auch nur damit vereinbar wären! Was alleine nur hier durch diese Ausarbeitung plausibel wird!

… und an der Stelle sollte jedem nun klar werden warum alles so ist wie es ist und weshalb ein solch berechtigter Aufruf von Julie von Bismarck – Equine Expertise an ein sogenanntes „Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft“ (welches auch nichts weiter wie ein gewinnorientiertes Unternehmen ist) leider weiterhin im NICHTS verhallen muß! Da hilft keine Empörung, keine Petition, kein Aufruf oder eine dazu auch noch so fundierte Argumentationskette an eine sogenannte, weil unbestimmte Vernunft dieser Instutitionen!

Übrigens die Bemühungen, der offiziellen Antrag von Monika Lehmenkühler © im Jahre 2010 in Bezug auf die Zulassung, zumindest schon einmal des gebisslosen LG-Zaumes auf allen Turnieren, wurde gewiss in den oberen Etagen des Vereins FN ebenso und nun nachvollziehbar aus „Güterabwägungen“ heraus negativ beschieden. Die Firma Sprenger & Co. dankt! Wobei es diesem – auch einzig kommerziell handelnden Verein mit seiner vorgeschobenen Ethik – bis zum heutigen Tage keine einzige Zeile wert war, diese scheinbar getroffene negative Entscheidung zum Antrag der Antragstellerin zu begründen! Wohingegen dort allen ernstes Abwägungen/Beratungen, ob ein Pferd während einer Prüfung aus dem Maul oder sonst wo bluten darf ohne auch nur abgeklingelt zu werden, tatsächlich zur Befürwortung dessen „in Ausnahmefällen“ klar auf der FEI und FN-Agenda standen! Dies konnte einzig nur wegen dem wirklich sehr großen Aufschrei der Massen verhindert werden! Noch Fragen?!


Aber was kann Jeder sofort tun?

Nun, wir würden vorschlagen, schweigt nicht mehr länger, werdet laut, boykottiert Reit-Turniere wo solcherlei Tierquälereien immer noch beklatscht werden, ändert eure Einstellung, macht euch schlau und ändert dazu euer Kaufverhalten. Da liegt ein Teil unserer wahren Macht! – Dies nur in der Kürze … und wer jetzt noch tiefgründiger Bescheid wissen möchte, warum alles so ist wie es ist und sich mit diesem System auch nichts ändern wird, der beschäftigt sich mit dem Kommerz, denn darauf basiert alles hier was Natur, Tier und Mensch schon viel zu lange immens schadet.

Wer reiten nur als Hobby sieht und nicht als Leidenschaft, schafft Leiden, die das Pferd nicht schafft.


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