Wilde Pferde, Mustang und Sorraia Pferde

Mustang Stute Anno DazumalDie Herkunft des Begriffes Mustang ist, im Gegensatz zum Sorraia, nicht eindeutig geklärt. Es gibt mehrere Quellen, die angeben, dass der Begriff vom altspanischen mesteño abstammt, das als eine Bezeichnung für das Eigentum der spanischen Viehhirten, der mesta, galt. Die etymologische Forschung führt den Begriff auf das spanische Wort Mestengo (Fremder oder Vagabund) zurück, welches von mostrenco abstammt. Als Mostrenco wird ein verirrtes, öffentlich vorgeführtes Schaf bezeichnet, welches auf diese Weise seinen Besitzer wiederfindet. Einer weiteren Behauptung von J. Frank Dobie nach soll der Begriff jedoch erst im frühen 19. Jahrhundert entstanden sein, allerdings ist in den Quellen nicht geklärt, wie er entstand.

Die Indianer lernten die Mustangs durch die Begegnung mit den Konquistadores zuerst als heilige Tiere zu verehren, denen sie mit Ehrfurcht und Respekt begegneten. Doch die Mustangs dienten den Indianern wohl, manchen Quellen zu Folge, zunächst in erster Linie als Fleischquelle, wenn sie ausgebückste Tiere einfingen oder den Siedlern irgendwie entwenden konnten. Es heißt, daß sie angeblich erst ab dem 17. Jahrhundert den Umgang mit den Tieren erlernten und sie ab da dann für die Jagd, die Zucht und als Transportmittel eingesetzt hätten.

Die Plain-Indianer sollen den Quellen zu Folge u.a. zum Transport ihrer Tipis spezielle Tragegestelle, sogenannte Travois gebaut haben, welche die Tiere problemlos ziehen konnten, auch dies dient durchaus auch als Zeugnis für deren großer Zähigkeit und trotz der Verwilderung sehr Menschen bezogenen Art.

Zu diesen Stämmen der Plains-Indianer, die schon früh Kontakt mit den Pferden knüpfen konnten, zählen die Comanchen und Apachen, die als sehr gute Reiter bekannt waren, was wenig erstaunt, da sie doch ausgesprochen naturverbundene Menschen waren. Deren Pferde waren selbst bei den „Weißen“ als Reittiere mehr als nur begehrt und wurden hoch gehandelt, wenn sie diese den Indianern irgendwie rauben oder abknöpfen konnten. Die wohl bekannteste überlieferte indianische Pferdezucht geht auf die Nez-Percé Indianer zurück, die bereits selektiv bei der Auswahl ihrer Tiere vorgingen, aus der die heutige Appaloosa-Zucht hervorging. Allerdings wurde diese Zucht erst bekannt, nachdem auch dieser Stamm um 1877 nach einem Krieg in die Northern Idaho-Reservation nach Idaho verschleppt wurde.


Erster SMR Mustang in Deutschland, hieß es nicht nur in den US Medien

Bericht Cavallo Mustang Einleitung
Bericht Cavallo Mustang Einleitung

Artikel Cavallo Mustang Text
Artikel Cavallo Mustang Text

„Keep on dreamin“ (Rufname Hanta Yo) kam am 01. September 2007 aus den USA nach Deutschland. Sie wurde in Freiheit geboren, ohne jegliche Menschenkontakt und erst nach einem Jahr eingefangen und verkauft. Mit 2 Jahren trat sie dann die Reise nach Deutschland an. Sie war – glaubt man den Medien – dann wohl der erste original SMR Mustang in Deutschland. Überdies ist es aber sicher, der weltweit erste spanisch Mustang, der von Beginn an konsequent ohne Gebiss dressurmäßig auf hohem Niveau und eben in Deutschland ausgebildet wurde.


Mustang Ankunft Flughafen Amsterdam
Mustang Ankunft Flughafen Amsterdam

2 jährige Mustangstute Abholung Flughafen
2 jährige Mustangstute Abholung Flughafen

Mustangstute Verladen Flughafen Amsterdam
Mustangstute Verladen Flughafen Amsterdam

Der spanische Mustang (SMR-Mustang) sollte allerdings nicht verwechselt oder 1 zu 1 mit dem BLM-Mustang auf eine Stufe gestellt werden. Die BLM Mustangs sind nämlich jene Wildpferde, die auch heute noch völlig frei herumlaufen und die schon seit Jahren verstärkt von der Regierung mit Hubschraubern gejagt, zusammengetrieben, eingefangen und versteigert, viel eher verhökert werden. Sehr häufig landen sie dann, nach langen, grausamen Schlacht-Transporten in Hundefutterdosen. Erschreckend und traurig, so geht diese degenerierte ReGIERung mit den Tieren um, denen sie in Wahrheit, aus der Vergangenheit sehr viel, wenn nicht sogar alles zu verdanken hätte. Die Population dieser faszinierenden Tiere wird somit immer kleiner und es ist abzusehen, wann niemand mehr einen frei lebenden Mustang im „Wunderland und ach so fortschrittlichen, tollen Amerika“ finden wird. Monika L. ist schon Jahre mit einer in den USA lebenden Deutschen verbunden, die sich aktiv dem Schutz der Mustangs verschrieben hat. Sie trafen sich bereits hier in old Germany, einer Einladung in Gabys Heim, einem idyllischen Fleckchen im Bundesstaat Colorado, konnte sie u.a. aus zeitlichen Gründen bis heute leider noch nicht nachgekommen.

Der Unterschied vom SMR-Mustang zu den BLM Mustangs ist, daß die BLMs, die bis heute wild umher streifen, sich in Folge dessen in den Jahren mit vielen anderen Hauspferderassen vermischt haben z.B. mit Kaltblut, Vollblut und anderen Rassen. Einige Vereinigungen unter anderem die „Spanisch Mustang Registration“ in Amerika haben es sich zur Aufgabe gemacht in riesigen Freigehegen genau dieses Pferd, mit dem sie den Kontinent erobert hatten dadurch rein zu erhalten und zu schützen, heißt eben die Vermischung mit anderen Haus-Rassen zu verhindern.

Ein SMR, so heißt es nämlich, soll der direkte Nachkomme der Pferde sein, die mit Columbus und Hernán Cortés, also den frühen Spaniern, sprichwörtlich die Neue Welt erobert hatten. Bzw. sollte es ja in Wahrheit heißen, die den Ur-Einwohnern schlußendlich das Land und Abermillionen das Leben raubten und die verbleibenden Überlebenden in Reservate steckte und entrechtete.

Mustang mit Reiter Zitat-Sioux Lakota
Mustang mit Reiter Zitat-Sioux Lakota

A mirical (ein Wunder), sollen die Landräuber wohl bei der Landung ausgerufen haben, darauf beruht wohl die Namensgebung des occupierten Landes A-Merica(l) -> Amerika, die Geschichte dieses blutigen und grausamen Landraubes (i.A. der in der Inquisition erfahrenen kath. Kirche) sollen hier jedoch nicht weiter ausgeführt werden.

Im Blut der noch lebenden wilden BLM-Mustangs ist allerdings auch das Erbe der kleinen zähen Pferdchen, die mit den Europäern (überwiegend Spaniern und Engländern im Auftrage der kath. Kirche) über den „großen Teich“ kamen und die es diesen Besatzern erst effektiv ermöglichten, sich dieses große Gebiet einzuverleiben und die Urbevölkerung zu plündern und zu morden.

Der Mustang ist ein wahrlich faszinierendes Pferd, es zeichnet sich vor allem durch seine unglaubliche Härte und Intelligenz aus, die einen echten Pferdfreund sofort in ihren Bann ziehen. Nicht immer einfach zu händeln aber hat man sie einmal auf seiner Seite, sind sie in vielerlei Hinsicht nicht zu toppen.

Das bemerkte Monika Lehmenkühler ® sofort, als sie 2007 die USA für Seminare, Unterricht und Beritt bereiste. Sie lernte an einem Tag unter kalifornischem Himmel, in den Shaddow Hills gleich zwei Vertreter, einen Hengst und eine Stute kennen und verbrachte danach ein schlaflose Nacht.

Mustang Hengst Amerika
Mustang Hengst Amerika

Mustang Stute Amerika
Mustang Stute Amerika

Da reifte ihr Plan, mit genau einem solches Pferd mußt du intensiver zusammen sein, auch um von diesem noch mehr zu lernen, eine echte Herausforderung. Auch das Realisieren der Überführung, war eine solche.

Überdies zeigen die Mustangs auch noch immer die deutlichen Merkmale ihrer spanischen Vorfahren, was ihr durch ihre großen Liebe und Passion, zum spanischen Pferd (Galeno VIII war ein gekörter Cartujano P.R.E.) natürlich sofort auffiel. Genau die Eigenschaften sind es, die diese kleinen zähen Pferdchen durch Jahrhunderte natürlicher Auswahl und harter Selektion auszeichnen und die so sehr faszinieren. Die Kölnerin Monika Lehmenkühler, Fachkompetenz für gebisslose Zäume und Ausbildung hat diesen Mustang nun nach den klassischen Prinzipien ausgebildet, von Beginn an und natürlich ausschließlich gebisslos mit dem LG-Zaum.

Hanta Yo ist inzwischen ein wundervoll zu reitendes Pferd, das auch schwierige Lektionen spielend leicht beherrscht. Sie trug dazu ein herrliches Fohlen von einem reinen Sorraia-Hengst aus, der ja nachvollziehbar ausgesprochen gut als Vererber paßte.

Hanta Yo und ihr Mustang Sorraia Fohlen
Hanta Yo und ihr Mustang Sorraia Fohlen

Mustang Mutter und Tochter 2018
Mustang Mutter und Tochter 2018

Hanta Yo geritten 5 jährig
Hanta Yo geritten 5 jährig


Das Sorraia-Pferd, ein Rasseportrait

Das Sorraia-Pferd stammt ursprünglich aus Portugal und wurde freilebend an der Flußkreuzung des Sore und des Raia entdeckt. Daher erhielt diese Rasse den Namen Sorraia-Pferd.

Flußkreuzung Sor und Raia zum Fluß Sorraia
© Google Maps / Flußkreuzung Sor und Raia zum Fluß Sorraia

Die letzten dieser Urpferde wurden 1927 vom Großgrundbesitzer Dr. Ruy D´Andrade im Gebiet des Flusses Sôr (etwa in Höhe von Lissabon) entdeckt.

Mit diesen Pferden entdeckten und eroberten die Portugiesen und Spanier die „Neue Welt“. Auf rutschigen Planken der Schiffe im Lager unter der Kajüte gehörten sie also, traut man den Quellen, zu den ersten Landtieren, die auf dem Seeweg die Welt umrundeten.


Im Jahre 1975 brachte Dr. Michael Schäfer – ein namhafter deutscher Tierarzt, Forscher & Buchautor, der 2001 verstarb – zusammen mit seiner Frau eine kleine Herde Sorraias unter schwersten Bedingungen nach Deutschland.

Nach der portugiesischen Revolution vor über 30 Jahren (Nelkenrevolution) begann Dr. Michael Schäfer mit der Züchtung seiner aus Portugal mitgebrachten Sorraias. Diese war in Europa die wertvollste Zucht der Rasse.

Die meisten der in Deutschland gezüchteten Sorraias stammen aus der Schäfer-Herde. So auch die beiden Hengste, die Monika Lehmenkühler schon vor einigen Jahren aus dieser Herde übernahm.

Buch Dr. Schäfer Sorraia

Einer der beiden Hengste wurde der Vater der Nachkommen. Ein nicht ganz so leichtes Unterfangen, denn die drei Stuten, zwei aus einem Zuchtprojekt von Hardy Oelke (Mutter SMR-Stute, Vater Sorraia), wurden zwar tragend, allerdings resorbierten Zwei. Schlußendlich bekamen aber doch zwei der Stuten ein gesundes Fohlen. Diese Erfahrung spricht für die Behauptung vieler Experten, daß man diese Art leider nicht über künstliche Befruchtung erhalten könne, es braucht einen Natursprung. Die verbleibenden 150-200 Exemplare befinden sich nicht an einem Ort und zudem sind nur die Hälfte noch zuchttauglich. Ein klares Indiz dafür, daß gerade der wundervolle Sorraia auf der „dunkelroten Liste“ der aussterbenden Arten steht.


Sorraia Männer
Sorraia Männer

Zwei Generationen Sorraia
Zwei Generationen Sorraia


Exterieur und Interieur

Sorraias sind kompakte mittelgroße Pferde mit einem Stockmaß zwischen 135 cm und 154 cm. Sie stehen im Rechteckformat und kommen in den Wildpferdfarben Graufalbe, Gelbfalbe und machnmal auch in Brauntönen vor. Wie es bei Wildpferden allgemein  bekannt ist, besitzen sie zumeist Zebrastreifen an den Beinen sowie einen Aalstrich, eine zweifarbige Mähne und bei manchen Pferden kann man ein Schulterkreuz erkennen. Häufig wird sogar behauptet, daß der Sorraia ein direkter Nachkomme des Tarpan sei und eben nicht wie Dülmener, Huzulen oder Koniks lediglich Rückzüchtungen einer alten Ur-Rasse.

Sorraias auf der Weide
Sorraias auf der Weide

Sorraia Stute
Sorraia Stute

Sorraia Herde
Sorraia Herde

Der Sorraia dürfte somit sogar der Vorfahre all unserer domestizierten PFERDE sein. Man mutmaßt, dass das Erbgut des Sorraia-Pferdes in allen iberischen Rassen enthalten ist, die wiederum auch in unseren z.Bsp. Warmblutrassen, Vollblutpferden, wie auch den Arabern oder den Mustangs in den USA wiederzufinden ist.

Das Gebäude des Sorraia ist ausgewogen. Der Kopf ist klein mit langem Gesichtsteil und hat ein gerades manchmal konvexes Profil. Manche Sorraias haben einen Ramskopf, die aber trotzdem nicht grob sondern eher elegant und fein wirken. Sie verfügen über relativ lange, schwarz-umrandete Ohren und sehr ausdrucksstarken, elliptischen Augen, einer meist kleine Maulspalte und länglichen Nüstern. Zumeist haben sie sehr schwach ausgeprägte Ganaschen mit großer Ganaschenfreiheit. Ihre Beine sind klar mit verhältnismäßig langen Röhrbeinen, langen Fesseln und freien Ellenbogen, ovalen sehr harten und widerstandsfähigen Hufe.

Sorraia Mustang Stute Dressur
Sorraia Mustang Stute Dressur

Sorraia Hengst wenige Wochen eingeritten
Sorraia Hengst wenige Wochen eingeritten

Das Sorraia-Pferd hat ein ausgeglichenes, durchaus ruhiges Temperament und manchmal sogar einen ausgesprochenen „Dickschädel“. Diese Pferde kann man kaum zur Mitarbeit zwingen, man muss sie motivieren, ebenso wie den Mustang. Kein Wunder, stammt er, der Mustang doch auch von den Sorraia-Pferden ab. Alles in allem verfügen sie jedoch über folgende herausragende Merkmal in Wesen und Nutzbarkeit: Sie sind sehr intelligente, mutige und selbstbewußte Tiere, sehr arbeitsfreudig, wendig und schnell. Aufgrund ihrer Robustheit und Leichtfuttrigkeit können sie selbst auf sehr kargen Gebieten gehalten werden.

Sorraiafohlen und Mutter
Sorraiafohlen und Mutter

Sorraia Fohlen
Sorraia Fohlen

Mutter und Sohn Weide
Mutter und Sohn Weide

Typvoller Sorraia Junge
Typvoller Sorraia Junge

Junger Sorraia Hengst
Junger Sorraia Hengst

Mutter und Sohn
Mutter und Sohn

Ihr Einsatzbereich ist sehr vielfältig, so wurden diese Tiere in Portugal hauptsächlich als Last- und Saumtier genutzt. Als Reitpferd finden Sorraias in allen Sparten der Reiterei Einsatz, sei es als Westernpferd aufgrund ihrer enormen Wendigkeit, im Freizeitbereich als treues und zuverlässiges Familienpferd, für das Wanderreiten und im Distanzsport aufgrund der Ausdauer. Auch als Fahrpferd wurde das Sorraia-Pferd schon eingesetzt und selbst im Dressur- oder Springbereich zeigt es hinreichend Talent. Sorraias sind zwar eher keine Gewichtsträger, sie bieten jedoch bis zu einem Gewicht von 75 kg jedem Reiter sehr sehr viel Freude und Spaß.

Spaß mit Wildpferden
Spaß mit Wildpferden

Spaß mit Sorraias
Spaß mit Sorraias


Sorraias in der heutigen Zeit

Aufgrund der nur noch wenigen Exemplare weltweit wurde, um diese Rasse zu erhalten, in Portugal auch schon mal ein Typ entsprechender Criollohengst und jüngst auch eine SMR-Mustangstute eingekreuzt. Den Großteil der Sorraias findet man immer noch in Portugal aber auch einige hier in Deutschland, so wie hier bei der LG Team eG. Die Interessengemeinschaft Sorraia IG gibt zudem gerne Auskünfte über diese Rasse und bietet von Zeit zu Zeit wenige der Tiere zum Verkauf an.

Leider hat sich bis heute in Europa kaum eine Organisation wirkungsvoll für den Schutz der vom Aussterben bedrohten Sorraias eingesetzt.

Hier ein interessantes Radio-Interview mit Monika Lehmenkühler zu den Sorraia-Pferden bei hufgefluester.eu:

Sorraia im Winter und das Glücksrad